Immer im Blick, aber kaum beachtet: Farbe im Buchdruck und Letterpress

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Kast & Ehinger Tiegeldruckpaste in einer ehemaligen Buchdruckerei | Foto: Stephan Mallik

Spricht man über Buchdruck und Letterpress, so stehen meist die Maschinen und das Druckbild im Fokus, für die Farbe hingegen interessiert sich vordergründig kaum jemand. Dabei ist das Drucken, einem alten Lehrbuch zufolge „nichts anderes, als Farbe bewegen“. Was ist Farbe, wo bekommt man heute Buchdruckfarbe, welche Farbe ist für welche Anwendung geeignet und geht das auch weiß auf schwarz?

Der Drucker in einer arbeitsgeteilten Druckerei, in der ihm die Druckform fertig an die Maschine gebracht wurde, hatte nach dieser Einschätzung nur eingeschränkte Möglichkeiten, den Druck zu beeinflussen. Die Maschine war ihm vorgegeben, das Papier und den Farbton legte der Kunde fest. Ihm blieben also nur der Aufzug und die Farbe als Variablen – den Einfluss des Raumklimas auf den Druckprozess einmal außen vor lassend.

Eine solch strenge Arbeitsteilung wird es heute kaum noch geben. Gute Farbe ist dennoch weiterhin Grundvoraussetzung für ein gelungenes Druckergebnis.

Was ist Farbe? Druckfarben bestehen aus Pigment und einem Bindemittel, das die Pigmente umhüllt. Farbe soll eine Reihe zeitlos technischer Voraussetzungen erfüllen:

  • sich gut von der Form lösen (nicht „rupfen“, also keine Papierfasern abreißen, besonders beim Druck vom Klischee wichtig)
  • mit geringster Farbgebung eine gute Farbtiefe erreichen
  • nicht durchschlagen (die öligen Bestandteile der Farbe dürfen das Papier nicht durchdringen)
  • gut trocknen bzw. wegschlagen (Lexikon)
  • kastenstabil sein, also eine bestimmte Zeit im Farbkasten der Druckmaschine aushalten, ohne Haut zu bilden
  • sichern, dass die Zeichnung der Form scharf auf dem Druckträger steht und während des Fortdrucks sauber bleibt.

Sie soll aber auch „neuen“ Anforderungen genügen, bspw. an den Umweltschutz (mineralölfrei, wasserbasierend oder lösemittelfrei auswaschbar) oder Vorschriften für den Verpackungsdruck.

Druckfarben und Tinten (für Liniermaschinen) in einer ehemaligen Druckerei | Foto: Stephan Mallik

Wo bekommt man Buchdruckfarbe?

Neueinsteiger interessiert besonders, woher heute die Farbe im Buchdruck kommt. Welche Farben werden in Tiegel und Zylinder verwendet? Welche Farbtöne sind machbar? Gibt es das „fertig“ oder müssen Buchdrucker und Letterpresser ihre Farben selbst anrühren bzw., wie der Fachmann sagt, anreiben?

Die Antwort ist recht profan. In der Regel wird druckfertige Farbe aus dem Offset-Druck verwendet. Einige Hersteller bieten spezialisierte Farben für den Buchdruck an, zum Teil auch in kleinen Abpackungen in Tubenform.

Hier einige Hersteller bzw. Anbieter:

  • Royal Dutch Printing Ink Factories Van Son (Link) der Anbieter sein, dessen Farben in den meisten Buchdruckereien zum Einsatz kommen. Für den Buchdruck wird die Farbe Rubber Base Plus auf Kautschukbasis empfohlen, hier eine deutschsprachige Produktseite
  • Lyme Bay Press (Link) ist ein Hersteller in England, der sowohl Farben von Royal Dutch, als auch eine Hausmarke auf Basis von Öl oder Naturkautschuk für den Buchdruck sowie einiges Zubehör anbietet. Es gibt auch einen deutschsprachigen Shop. Die Übersetzungen scheinen aber maschinell zu erfolgen, was zu teils skurrilen Beschreibungen führt. Besser im englischsprachigen Original stöbern;
  • Epple ist einer der großen Anbieter im Offsetfarbenmarkt, führt aber auch Farben für den Buchdruck, bspw. das Buchdruckschwarz 5039 BU (Automatenschwarz). Bei Epple findet man auch zahlreiche Spezialfarben;
  • Gerstaecker (Link) ist ein Händler mit zahlreichen Marken im Programm, darunter auch „eigene“ Farben;
  • Caligo (zu beziehen bspw. über Gerstaecker) ist eine Marke von Cranfield Colours. Caligo Safe Wash basiert auf Öl, ist aber mit Wasser und Seife auswaschbar;
  • Sakura (ebenfalls über Gerstaecker) ist ein japanischer Produzent, der hauptsächlich Stifte herstellt, aber auch Buchdruckfarben anbietet. Angeboten werden auch kleine Abpackungen in Tubenform.
  • Chabonell in Frankreich (Link) bietet seine zahlreichen Farben zwar nicht ausdrücklich für den Buchdruck, wohl aber für den Holz- und Linoldruck an. Für Buchdruck und Letterpress sind sie dennoch gut geeignet. Einige Buchdrucker heben die gute Auswaschbarkeit der Farben mit Wasser und Seife hervor.

Dass im Buchdruck Offset-Farben verwendet werden, mag zunächst die handwerkliche Anmutung etwas trüben, es ist aber kein Nachteil. Manche Offset-Farben sind in ihrer chemischen Zusammensetzung heute so aufgebaut, dass sie zum Beispiel die Anforderungen der Europäischen Kinderspielzeugrichtlinie EN71 erfüllen (insbes. Teil 3 Migration bestimmter Elemente), indem sie auf Mineralöl verzichten.

Die Hersteller von Offsetfarben sind etwas im Vorteil, weil sie die Kosten der Zertifizierung einer Farbe auf große Produktionsmengen umlegen können. Die sind allerdings nicht sehr hoch. Die EN71-Zertifizierung kostet pro Farbe auch nur ca. 80 EUR.

Promotion-Video Cranfield, Hersteller der Caligo-Farben

Ganz traditionell: Farben selbst anreiben

Eher selten werden Farben auch noch vom Drucker angerieben, indem pulver- oder pastenförmiges Pigmemt (der Farbstoff) mit einem Bindemittel verrieben wird. Dafür wird die Farbpaste bzw. das Pulver in einer dünnen Lage auf eine geeignete Unterlage (Marmorplatte etc.) aufgetragen und mit einem Glasläufer oder einem ähnlichem Werkzeug gerieben, bis die Pigmentteilchen vollständig mit Bindemittel (bspw. Öl) benetzt und gleichmäßig vermischt sind. Die Farbe muss eine klumpenfreie, homogene Konsistenz erhalten.

Wer den Farbrest nicht ehrt …

In vielen Druckerein findet man auch noch alte Farbbestände. Eine gute Farbe, gut verschlossen, kann auch nach Jahrzehnten noch brauchbar sein. Mit etwas Glück kann man die „Haut“ entfernen und die Farbe mit Farbverdünner reaktivieren – dann heißt es: Kräftig rühren! Einen Versuch ist es allemal wert. Lässt sich eine alte Farbe doch nicht mehr verwenden, ist eine neue Dose heute schnell beschafft. Farbreste für eine spätere Verwendung aufzuheben, ist zudem nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch sinnvoll.

Wie wird der Farbton im Buchdruck definiert?

Die Definition des Farbtons erfolgt überwiegend nach den Farbfächern von Pantone, seltener wird heute noch der HKS-Farbfächer verwendet. Manchmal sind zusätzlich auch herstellereigene Farbangaben wie „warmgelb“ oder „rot bläulich“ gebräuchlich, da hilft dann nur die verbindliche Angabe von Farbton und Hersteller im Druckauftrag.

Welche Farbe für welche Anwendung?

Welche Farbe für welche Anwendung geeignet ist, lässt sich pauschal nicht festlegen. Eine Universalfarbe für alle Maschinen und Papiere gibt es nicht. So erfordert das Drucken an einer Zylinder-Druckmaschine mit Farbkasten, Verreiber und Walzen im Zweifel andere Farbeigenschaften, als ein Boston-Tiegel mit Farbteller oder einer Kniehebelpresse, an der die Druckform von Hand eingefärbt wird – und an der man eigentlich fast alles als Farbe verwenden kann, was irgendwie färbt.

Oft wird die Farbwahl auch von einfachen Zwängen gesteuert. So sind für Lebensmittelverpackungen sowieso zahlreiche Vorgaben einzuhalten. Benötigt man zum Beispiel nur sehr wenig Farbe, wird man zu einem Anbieter greifen, der kleine Abpackungen anbietet. Weitere Kriterien können die Herstellung auf Wasserbasis oder das leichte Reinigen der Druckform und Walzen mit Wasser und Seife sein, wenn man bspw. gemeinsam mit Kindern drucken möchte.

Geht das auch weiß auf schwarz?

Schwarz auf weiß drucken ist leicht. Aber kann man im Buchdruck auch helle Farben auf dunklem Untergrund verarbeiten? Im Prinzip ja, wenngleich der Buchdruck dafür eigentlich nicht geschaffen ist. Deckende Motive sind eher die Domäne des Siebdrucks. Im Buchdruck lässt sich hell auf dunkel drucken, indem die Druckfarbe in mehreren Druckdurchgängen mit derselben Druckform aufgebaut wird, bis sie (möglichst) deckend ist. Allerdings können sich mit jedem Druckdurchgang minimale Verschiebungen des Druckbilds zum vorhergehenden Durchgang ergeben, die Schrift kann dann leicht unsauber und verwaschen wirken.

Ein Blick in die Geschichte

Schwarze und bunte Buchdruckfarben wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts von den Druckereien aus Ruß (Kohlenstoff) und Leinöl als Filmbildner (Bindemittel) hergestellt. Ab ca. 1870 sollen dann durch die Firma Huber (die es heute noch gibt) als erstem Anbieter Farbkörper und Bindemittel aufeinander abgestimmt geliefert worden sein. Als Ruß kamen übrigens ganz unterschiedlich Arten zum Einsatz: Flammruß für Zeitungsdruckfarben, Gasruß für Akzidenz- und Illustrationsfarben, Lampenruß für Mattschwarz usw.

In der DDR waren die Farben genormt, jeder Farbe war eine eindeutige Produktnummer zugeordnet. Mehr dazu in diesem Beitrag.

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