Buchhochdruck, Buchdruck, Letterpress. Alles eins?

Linotype Mod. 16 Zeilensetzmaschine bei den Lettertypen | Foto: Aileen Kapitza

Was bedeutet Buchdruck, Buchhochdruck und Letterpress, bzw. was ist überhaupt „Drucken“? Wo sind die Gemeinsamkeiten der Verfahren, wo die Unterschiede?

Beim Buchhochdruck übertragen die hochstehenden Teile einer Druckform Farbe auf das Papier. Die alltagssprachliche Verkürzung des Buchhochdrucks ist der Buchdruck. Das führt bei Newbies schon mal zu Verwirrungen, denn der Buchdrucker druckt ja nicht nur Bücher.

Die wesentlichen Elemente des Druckens im Buchdruck und im Letterpress sind:

  • das Druckmotiv als Druckform/das Druckelement als Konturenträger (das kann eine im Hand- und Maschinensatz oder als Klischee hergestellte Form sein)
  • der Werkstoff als Druckträger (Papier, Karton, …) heute spricht man eher vom „Bedruckstoff“
  • die Farbe, zum Sichtbarmachen der Kontur
  • die technische Kraftwirkung (Maschine) zum Abpressen der Kontur.

Ergänzen könnte man noch, dass eine Kombination von Druckform, Farbe und Maschine verwendet wird. Wie die Druckform beschaffen ist, spielt dabei zunächst per Definition keine Rolle – ganz egal, ob es ein Linol- oder Holzschnitt, Handsatz aus Bleilettern oder eine Fotopolymerplatte ist.

Allerdings: Ob das Drucken vom Fotopolymer- oder Magnesiumklischee anstelle von Lettern denn tatsächlich Buchdruck wäre, darüber streiten einige Experten. Wir denken, dass die Beschaffenheit der Druckform keine Rolle in der Definition spielt. Denn das Prinzip im Buch(hoch)druck immer: Alles, was hochsteht, wird gedruckt. Mehr dazu lest ihr hier.

Buchdruck küsst das Papier …

Soweit die Gemeinsamkeiten. Der Unterschied zwischen Buchdruck und Letterpress liegt im Druckbild. Im klassischem Buchdruck soll die Druckform das Papier nur gerade so berühren, dass die Farbe übertragen wird. Die Oberfläche des Papiers wird also an den Motivstellen nicht verdichtet.

Ein altes Druckerlehrbuch beschreibt das so: „Die Farbe soll beim Drucken nicht von der Form abgequetscht, sondern nur auf den Druckträger übertragen, also gedrückt werden. Drucken bedeutet, genau betrachtet, nichts anderes, als Farbe bewegen.“ Ältere Drucker berichten, dass Lehrlinge schon mal eine Ohrfeige vom Meister kassierten, wenn ihnen das nicht gelang.

Heute gibt es zwar keine Ohrfeigen, aber so ganz aus der Welt ist der klassische Buchdruck noch lange nicht. Denn neben Design-Drucksachen im Letterpress, die heute vermutlich 95 Prozent aller Buchdrucksachen ausmachen, werden auch wieder Bücher im Buchdruck hergestellt. Nicht viele, aber immerhin.

So hat der Suhrkamp-Verlag 2018 in seiner neuen Letterpress-Edition gleich sieben Bände im Buchdruck vorgelegt – und mit den ausführenden Druckern (Die Letterypen, Berlin) den Spagat geschafft, dass man das Druckbild ganz leicht spürt (Erkennungszeichen), ohne das Papier zu prägen: „Mit satter Farbe entsteht beim Drucken ein leichter Hof zwischen Abbild und Papier“.

… Letterpress drückt das Papier

Und was ist mit dem Letterpress? Der macht im Prinzip genau dasselbe, erzeugt aber – dank höheren Anpressdrucks der Druckform in das Papier ein Druckbild zum Anfassen mit visuell-haptischen Eigenschaften. Auch die englischsprachige Wikipedia setzt Letterpress mit dem Buchdruck gleich, interpretiert ihn jedoch etwas anders. Neben der handwerklichen Leistung des Druckens wird besonders das besondere Druckbild im Letterpress betont, das – abweichend von der ursprünglichen Intention des Buchdrucks – haptische Eigenschaften annimmt:

Feine Buchdruckarbeiten sind aufgrund ihres Eindrucks in das Papier knackiger als Offset-Lithografie, was der Art und dem Druckbild eine größere visuelle Definition verleiht, obwohl es nicht das ist, wofür der Buchdruck traditionell bestimmt war.

Wikipedia, aus dem Englischen (Link)

Das Fazit: Drucken kommt von Drücken. Je nachdem, wie heftig man drückt, hat man Buchdruck oder Letterpress erzeugt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll Up