Mein neues Bild von Gutenberg

So sah Gutenberg definitiv nicht aus. Wenn schon jeder weiß, dass dies ein fiktives Portrait ist, warum malt ihn eigentlich niemand mal mit einem freundlicheren Gesicht und in Kleidung, die zu seiner Zeit passt?

Bücher, die Gutenberg mit Rauschebart und Pelzhut zeigen, sind mir eigentlich von jeher suspekt. Wenn schon das Portrait bekanntlich fiktiv ist, wie verlässlich soll dann der Inhalt sein?

Als ich unlängst zufällig „Gutenberg, der Mann, der die Welt veränderte“ von Klaus-Rüdiger Mai sah, griff ich trotzdem zu.

Das war eine gute Idee, denn trotz anfänglicher Vorbehalte hat das Buch meine Sicht auf den Meister als Mensch, Erfinder und Unternehmer sehr verändert. Mai gelingt es, Gutenberg in seinem historischen Kontext lebendig zu interpretieren. Das funktioniert ganz gut – auch ohne zu wissen, wie dieser Mann denn nun aussah.

Mein Fazit: Wer sich für Gutenberg, den Buchdruck und das 15. Jahrhundert interessiert und sich darauf einlässt, dass der Mangel an Fakten durch Phantasie gefüllt wird, dem sei diese Gutenberg-Interpretation empfohlen.

Weiterlesen lohnt sich!

Von Gottes Gnaden – Das Gottesgnadentum im Gautschbrief der Drucker und Setzer

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Gautschbrief des Richard Kirsch, München, 18.6.1927 | Quelle: Buchdruckwerkstatt München

Alte Gautschbriefe berufen sich oft auf „Gottes Gnaden“. Das hat mich lange verwundert, denn eigentlich dient das Gottesgnadentum doch der Begründung monarchischer Herrschaftsansprüche – erstmals 751 durch Pippin den Jüngeren. Umso erstaunlicher, dass Kaiser, Könige und sonstige Herrscher es hinnahmen, dass auch Handwerker sich für die Ausübung ihres Berufs auf göttliche Gnaden beriefen. Die Erklärung dürfte im christlichen Glauben darüber liegen, wie Menschen zu ihren speziellen Begabungen kommen.

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Umbruch, Umbrecher, Mettage und Metteur

Entwurf des Umbruchs eines Buchtitels, gesehen in der ehemaligen Druckerei Hans Bauer in Hof | © Stephan Mallik

Was bedeutet Umbruch und was genau macht ein Metteur? Wir haben nachgeschaut und sind im „Handbuch für Papier, Schrift und Druck“ von 1943 fündig geworden. Nach der Lektüre dieses wahrlich Respekt einflößenden Regelwerkes weiß man einmal mehr den Satz am PC und den Druck vom Klischee zu schätzen!

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Mit 93 Jahren voller Tatendurst: Die Buchdruck-Werkstatt Christoph Dürr in München

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Die 1926 gegründete Druckerei Christoph Dürr in München. Im Hintergrund ein Gautschbrief „Von Gottes Gnaden. Wir Jünger Gutenbergs“ | © Robert Sakowski

Der Buchdruck-Werkstatt München nähert man sich im Netz auf Umwegen. Sie ist eigentlich die Druckerei Christoph Dürr, online wird sie im Augenblick jedoch von den Freunden der Buchdruck-Werkstatt e.V. präsentiert. 1926 gegründet, hat die Offizin im Münchner Stadtteil Neuhausen in 93 Jahren immer gearbeitet, wenngleich zuletzt nicht mit voller Kraft. Jetzt soll sie noch einmal durchstarten.

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So gewinnst du entspannt Aufträge für deine Offizin

Buchdrucker und Letterpresser zu sein, ist ein großartiges Unterfangen. Bei aller Begeisterung für das eigene Handwerk muss es sich aber auch bezahlt machen, sofern man nicht als Hobby, sondern zum Gelderwerb druckt. Ihr wollt Druckleistungen anbieten, das Verkaufen jedoch liegt euch nicht so? Wir zeigen euch, wie ihr entspannt Aufträge akquiriert.

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Francesco Griffo und „Der letzte Schriftschneider“. Ein großartiger Film über ein aussterbendes Handwerk

Wissenschaftliche Projekte und Texte sind ja in der Regel eher nicht so unterhaltsam. Schachtel- und Bandwurmsätze, Regale voller Fußnoten … dieses hier jedoch macht es ganz anders. Griffoggl (Griffo The Great Gala of Letters) untersucht und dokumentiert die Arbeit des Francesco Griffo aka Francesco da Bologna.

Er lebte von 1450 bis 1518, war Schriftenentwerfer, Schriften- und Stempelschneider, Schriftgießer und Buchdrucker. Von ihm stammen die ersten kursiven Druckschriften für den Einsatz im Buchdruck.

Dazu gibt es eine Projekt-Webseite und einen grandiosen kleinen Film, der die (Hand)Arbeit des Schriftschneiders vorstellt. Im Film zu sehen ist der Schriftenschneider Giuseppe Brachino. Zigaretten rauchend und Espresso trinkend schneidet er den Buchstaben G in einen Stempel für den Schriftguß. Sieben Minuten Meditation für Buchdruckfans in höchster Konzentration sind garantiert!

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Linotype Zeilensetzmaschine Mod. 16, Baujahr 1972

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Zeilensetzmaschine Linotype Mod. 16 von 1972 | Foto: Aileen Kapitza

Die hier vorgestellte Linotype von 1972 ist eine Zeilensetzmaschine mit Texteingabe über einen Taster. Konkret handelt es sich um das Modell 16 mit vier Magazinen, ein sogenannter 4-Decker. Das Besondere an ihr ist, dass sie bis 18 Punkt Schriftgröße setzen und gießen kann.

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Linotype Mod. 16 von 1972 | Foto: Aileen Kapitza
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Intertype line caster for free, Heidelberg Windmill and some letters are for sale

Foto: Marcus Dassler

[Zur deutschen Version mit mehr Bildern/German version with some more pictures]

The Oberreuter printing company in 07937 Zeulenroda-Triebes (approx. 130 km from Leipzig) is dissolving its more than 100-year-old composing room. An Intertype line caster is for free, a Heidelberg Windmill, a lot of typefaces in lead and wood and type cases are for sale.

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Intertype zu verschenken, OHT und Schriften zu verkaufen

Setzerei der Druckerei Oberreuter in Zeulenroda-Triebes | Foto: Marcus Dassler www.bildfeuer.de
Die Setzerei der Druckerei Oberreuter in Zeulenroda-Triebes. Die Setzerei wird jetzt aufgelöst, die Druckerei besteht natürlich weiter | Foto: Marcus Dassler

Riesige Fenster und lichtdurchflutete Trennwände aus Zeiten, in denen so etwas noch vom Tischler statt vom Trockenbauer gemacht wurde, empfangen den Besucher der ehemaligen Setzerei in der Druckerei Oberreuter – haben in dieser Rolle aber schon seit Jahren nicht mehr viel zu tun. Nach dem Umstieg auf Offset- und Digitaldruck wird die Buchdruck-Setzerei jetzt aufgelöst.

Für Freunde altehrwürdiger Setzereien mit Jahrzehnte alter Patina ist das eine traurige Nachricht. Wer jedoch nach einer sehr guten Intertype Setzmaschine, nach Schriften in Blei und Holz oder einem richtig alten Original Heidelberger Tiegel sucht (mit dem frühen Logo!) sollte jetzt zugreifen.

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Zeitungsdruck 2019 – auf einer Druckmaschine von 1924

Druck der Krautreporter-Zeitung auf Zeitungsdruckpapier im Riesenformat auf der Johannisberger Schnellpresse (Baujahr 1924) bei den Lettertypen in Berlin.

Die Krautreporter publizieren als freies Redaktionskollektiv eigentlich ausschließlich digital. Technisch und gestalterisch sind ihre Inhalte hervorragend umgesetzt, aber eben doch „nur“ digital. Wenigstens einmal wollten auch die Krautreporter ihren Texten die Vorzüge des gedruckten Wortes* mit auf den Weg geben, sie schwarz (und rot) auf weiß in den Händen halten und mit ihren Lesern teilen.

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